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Licht-Beispiele StuPro Film im WS 25/26

“Sonnenverlauf” mit Robe T2 + Super-Jib

Ziel des Effekts war ein in Camera Zeitraffer Look, bei dem das Schauspiel in Echtzeit bestehen bleiben kann. der leichte SUrealismus sollte in dem Spot Dynamik aufbauen. Da das Licht hier eine dramaturgische, aktive Rolle einnimmt war Feinjustierung geboten und wir machten einige Tests.

Versuch 1: Lampen-Array und cue-basierte Lichtbewegung

Zur Erzeugung einer subtilen Bewegungsillusion wurde ein cue-basierter Ansatz gewählt, bei dem Arri Orbiter Lampen in unterschiedlichen Höhenebenen des Raumes eingesetzt wurden. Durch die zeitlich versetzte Überblendung dieser Leuchten entstanden gezielt Doppel- und Halbschatten, die eine dynamische Lichtwirkung erzeugten. Ergänzend dazu führten im Vordergrund platzierte Schattenelemente zu spannenden Schattenspielen. Die lichttechnische Umsetzung erfolgte wir die komplette Lichtsteuerung über eine grandMA3-Konsole, wobei die Programmierung nach dem etablierten Workflow aus Presets, Cues und Sequences aufgebaut war. Zunächst wurden positions- und intensitätsbezogene Presets für die eingesetzten Leuchten angelegt und in logisch gruppierten Fixture-Gruppen organisiert. Diese Presets definierten dabei reproduzierbare Lichtzustände. Auf Basis dieser Presets wurden mehrere Cues innerhalb einer Sequence erstellt, die sich durch unterschiedliche Intensitätsverteilungen sowie zeitlich versetzte Übergänge unterschieden. Die Übergänge zwischen den Cues wurden über individuell definierte Fade- und Delay-Zeiten realisiert, wodurch eine präzise Kontrolle der Überblendungen möglich war. Die Verwendung einer Sequence ermöglichte eine strukturierte zeitliche Abfolge der Cues und erlaubte sowohl eine automatisierte Wiedergabe als auch eine manuelle Auslösung über Executor-Bedienelemente. Durch die parametrisierte Struktur der grandMA3 ließ sich der Effekt zuverlässig reproduzieren und in seiner Geschwindigkeit flexibel anpassen, was insbesondere im Hinblick auf Probenphasen und Mehrfach-Takes einen erheblichen produktionstechnischen Vorteil darstellen würde.

In der praktischen Anwendung zeigte sich jedoch, dass die innerhalb der Sequence realisierten Crossfades trotz ihrer technischen Präzision und Wiederholbarkeit für den vorgesehenen dramaturgischen Kontext als zu langsam und visuell zu abstrakt wahrgenommen wurden. Die erzeugte Lichtdynamik erwies sich daher als nicht ausreichend geeignet, um die gewünschte Spannungssteigerung innerhalb der Szene zu unterstützen.

Versuch 2: physische Bewegung der Lichtquelle mit Rollstativ

Als weiterer Ansatz zur Erzeugung dynamischer Schattenwirkungen wurde die physische Bewegung einer Lichtquelle im Raum untersucht. Hierzu wurde zunächst ein vereinfachter Versuchsaufbau realisiert, bei dem eine ARRI Orbiter mit Spotlight-Aufsatz eingesetzt wurde. In einem späteren Schritt wurde dieser Aufbau durch einen Robe T2 Profile ersetzt, der auf einem Rollstativ im Set bewegt wurde. Ziel war es, reale Lichtbewegungen zu erzeugen und deren Einfluss auf Schattenwurf und Bilddynamik zu evaluieren.

Im Vergleich zu rein cue-basierten Überblendungen zeigte sich, dass tatsächlich bewegte Lichtquellen deutlich dynamischere und organischere Schattenverläufe erzeugen. Die resultierenden Schatten wirkten in ihrer Bewegung nachvollziehbarer und steigerten die visuelle Lebendigkeit des Bildes signifikant, da die Veränderung nicht ausschließlich über Intensitätsverläufe, sondern über reale Positionsänderungen der Lichtquelle im Raum erfolgte.

Gleichzeitig erwies sich die Bewegung der Leuchte als nur eingeschränkt kontrollierbar, da das verwendete Rollstativ aufgrund seiner Bauform und der Trägheit der Rollen zu ungewollten Rucklern neigte. Bereits geringe Unregelmäßigkeiten in der Bewegung führten durch den Hebel der Lichtstrahlen zu deutlich sichtbaren Lichtschwankungen im Bild, wodurch der gewünschte Effekt an Präzision verlor. Zusätzlich stellte die Kabelführung ein erhebliches Hindernis dar, da das Anschlusskabel während der Bewegung im Set störend wirkte und entweder durch eine separate Kabelhilfe geführt oder von der Decke abgehängt werden musste.

Ein weiterer wesentlicher Nachteil bestand im Fehlen einer vertikalen Bewegungsachse. Während der natürliche Sonnenverlauf im Tagesverlauf sowohl horizontale als auch vertikale Veränderungen der Lichtposition umfasst, konnte dieser Aspekt im vorliegenden Aufbau nicht adäquat abgebildet werden, wodurch die resultierende Lichtwirkung als technisch nachvollziehbar, jedoch in ihrer Anmutung weiterhin künstlich wirkte. Zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit wurden ergänzend Farbtemperaturverläufe in Anlehnung an natürliche Tageslichtveränderungen berücksichtigt. Diese Maßnahme trug zwar zu einer erhöhten Plausibilität der Lichtstimmung bei, konnte jedoch die grundlegenden Einschränkungen des mechanischen Aufbaus und der fehlenden vertikalen Bewegung nicht vollständig kompensieren. Insgesamt erwies sich auch dieser Testansatz trotz erkennbarer Vorteile gegenüber rein statischen Lichtzuständen als nicht ausreichend, um die angestrebte Dynamik und Natürlichkeit der Lichtwirkung vollständig zu erreichen.

Versuch 3 und Lösung: physische Bewegung der Lichtquelle mit Rollstativ

Als praktikable Lösung erwies sich schließlich ein technisch aufwendigerer, jedoch wesentlich präziser kontrollierbarer Aufbau. Die Lichtquelle – ein Robe Lighting T2 Profile – wurde auf einem Panther Dolly in Kombination mit einem Panther Super Jib rigged. Durch den schienengeführten Dolly-Betrieb konnte eine gleichmäßige, ruckfreie Bewegung der Lichtquelle entlang einer definierten Achse realisiert werden, wodurch ungewollte Beschleunigungen und mechanische Unregelmäßigkeiten vermieden wurden. Die Energie- und Datenzuführung der Leuchte erfolgte über eine von oben geführte Kabelführung, was sowohl die Bewegungsfreiheit im Set erhöhte als auch das Risiko von Störeinflüssen während der Fahrt minimierte. Entlang der Schiene wurden in regelmäßigen Abständen definierte Referenzpositionen festgelegt, jeweils in einem Abstand von etwa einem Meter. Für jede dieser Positionen wurden die Parameter Pan, Tilt, Zoom und Fokus der Leuchte exakt eingestellt und als Presets gespeichert. Parallel dazu wurde die vertikale Position des Jibs dokumentiert und in die Gesamtkoordination des Setups integriert. Die Steuerung erfolgte dann wieder über eine grandMA3-Konsole, wobei die zuvor angelegten Presets in Cues innerhalb einer Sequence organisiert wurden. Während der Dolly-Operator die Lichtquelle physisch entlang der Schiene bewegte, konnte die Konsolenbedienung anhand der Markierungen synchron über einen Fader zwischen den einzelnen Cues interpolieren. Auf diese Weise wurden mechanische Bewegung und lichttechnische Parameter kontinuierlich miteinander verknüpft. Nach einer kurzen Einrichtungs- und Testphase erwies sich die Koordination zwischen Dolly-Bewegung und lichttechnischer Steuerung als präzise und zuverlässig reproduzierbar. Die resultierende Lichtwirkung kombinierte eine realistisch nachvollziehbare Bewegungslogik mit einer bewusst stilisierten Anmutung. In Verbindung mit gezielt eingesetzten Schattenelementen und dem übrigen Lichtdesign konnte so ein visuell komplexer und dramaturgisch wirkungsvoller Lichteffekt erzeugt werden.

Sonstige Lichtgestaltung für Tageslichtszenen

Zentrales Ziel der Lichtgestaltung in den Tageslichtszenen war die Erzeugung einer möglichst realistischen und kohärenten Lichtstimmung. Dies war insbesondere deshalb von Bedeutung, da die Dreharbeiten vollständig im Studio stattfanden und keinerlei natürliches Tageslicht zur Verfügung stand. Die Lichtsetzung musste folglich sämtliche Eigenschaften eines natürlichen Außenlichts – inklusive Richtung, Intensitätsverhältnis, Diffusion und Reflexionsverhalten – künstlich nachbilden.

In realen Wohnräumen gelangt Tageslicht primär über direkte und indirekte Komponenten von Sonne, Himmel und Umgebung durch Fensteröffnungen in den Innenraum und wird dort mehrfach über Boden-, Wand- und Deckenflächen reflektiert. Dieses Prinzip wurde im Studio gezielt imitiert, indem zwischen dem von außen „in den Raum gedrückten“ Licht und den innen eingesetzten Leuchten ein sorgfältiges Intensitätsverhältnis hergestellt wurde. Ziel war es, zu vermeiden, dass das Set den Eindruck einer von innen heraus beleuchteten Szene vermittelt, und stattdessen eine konsistente Lichtlogik aus einer primären externen Lichtquelle beizubehalten

Lichtsetzung Außen

Zur Erzeugung einer großflächigen, weichen Außenlichtbasis wurde ein 12×12 ft Butterfly-Rahmen mit Ultra Bounce-Bespannung eingesetzt und an zwei Lampenhängern direkt an der Studiodecke rigged. Die Deckenmontage ermöglichte eine freie Bodenfläche für Fluchtwege sowie für Kamera- und Lichtstative. Strom- und Datenkabel wurden ebenfalls über die Decke geführt, um Störungen und Unordnung im Set zu vermeiden.

Zur Erhöhung der Lichtintensität und zur Einführung einer gerichteten Lichtkomponente wurden unterhalb des Rahmens zwei gekoppelte DMG Lumière Maxi Mix Leuchten mit Grid installiert. Diese fungierten als zentrale Softbox und kombinierten eine sehr weiche Lichtcharakteristik mit einer klar definierten Lichtrichtung, vergleichbar mit diffusen Tageslichtverhältnissen bei teilbewölktem Himmel.

Zur Simulation direkter Sonneneinstrahlung kam ergänzend der Robe T2 Profile zum Einsatz. Der Scheinwerfer wurde auf einem Rollkurbelstativ positioniert, um flexible Anpassungen in Höhe und Position zu ermöglichen, und diente als primäre Referenz für die Lichtintensität, an der alle weiteren Leuchten im Setup ausbalanciert wurden.

Zur visuellen Erweiterung des Außenraums wurde ein 4×4 m weißer Stoff zwischen Autopoles gespannt und gleichmäßig mit zwei Maxi Mix Leuchten ausgeleuchtet. In Kombination mit einer silhouettenartigen Stadtstruktur entstand so der Eindruck eines diffusen Blicks nach außen. Lichtsetzung Innen Innen galt es zunächst die Hauptlcihtquelle von Außen weiterzutragen. Im Innenraum bestand die Aufgabe darin, die von außen definierte Hauptlichtquelle konsistent in den Raum zu verlängern und deren natürliches Reflexionsverhalten zu simulieren. Das einfallende Außenlicht erzeugte bereits eine grundlegende Aufhellung durch Reflexionen an Boden- und Wandflächen.

Zur Nachbildung einer hellen Decke wurde eine Toprig-Konstruktion installiert, bestehend aus vier nach unten gerichteten Maxi Mix Leuchten mit Grid, die ein gleichmäßiges, weiches Auflicht erzeugten. Seitliche Molton-Abhängungen dienten der gezielten Abschattung, um eine ungewollte Aufhellung der Wände zu vermeiden und die Lichtführung klar zu begrenzen.

Zentral im Raum kam zusätzlich ein Space-Light (Sumolight mit Softaufsatz) zum Einsatz, über das die allgemeine Raumhelligkeit sowie die Wandluminanz fein justiert werden konnten, ohne eine neue dominante Lichtrichtung einzuführen.

Ergänzend wurden im Bereich der Fensterposition zwei 2×1 m Styroporflächen mit ARRI Orbiter und Spotlight-Aufsätzen angestrahlt, um einen leichten, schräg einfallenden Lichtanteil aus Fenster­richtung zu simulieren. Sämtliche Innenlichtgruppen wurden bewusst mit geringer Intensität betrieben, um den Eindruck einer künstlichen Innenbeleuchtung zu vermeiden.

Gezielte Akzente wurden über ein CRLS-System gesetzt, mit dem halbweiches Licht aus Fenster­richtung selektiv in den Raum gelenkt wurde. So konnte zum Beispiel der Schrank am anderen ende des Raumes gesichtet aufgehellt werden. Durch Astera Titan Tubes wurden letzte Feinheiten akzentuiert. Zusammenfassen ergabe sich ein Raumlichtkonzept, das über

Den finalen Feinschliff übernahmen Astera Titan Tubes, die eine flexible Akzentuierung ermöglichten und ein über alle Kamerapositionen hinweg konsistentes Raumlicht sicherstellten.

Insgesamt resultierte daraus ein konsistentes Raumlicht, das in allen Kamerapositionen flexibel einsetzbar war und während des gesamten Drehtages keine weiteren Anpassungen erforderte.